Die Laufbahn !

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Die Laufbahn der BÖHSEN ONKELZ

Vom Punk zum Skin (1981-83)

Gonzo und Kuchen, ein Freund der Band und ehemaliger Praktikant der Karl-Marx-Buchhandlung, waren die ersten aus der Frankfurter Punk-Szene, die sich wandelten. Den Anstoß holten sie sich in Berlin, wo sich seit 1980 schon eine kleinere Skinhead-Szene herausgebildet hatte. Als die beiden im Oktober ,81 von einer Sauftour aus der Mauerstadt zurückkamen, waren ihre Köpfe kahlgeschoren. Noch im November folgten ihnen Kevin und Stephan, tauschten Pennermantel und stinkende Lederjacken gegen olivgrüne Bomberjacken (!), und auch Kevin wusch sich von nun an öfter, denn Skinhead zu sein bedeutete ,,nicht so Assi, aber trotzdem krass".

Offengestanden hatten sie noch keinen wirklichen Plan davon, was Skinheads nun eigentlich seien. Sie wußten, daß die ersten Skinheads wie auch der Punk später aus Großbritannien kamen, daß es Arbeiterjugendliche waren, die Fußball, Bier und Prügeleien liebten und neben Oi!-Punk vor allem Ska hörten, jene energische, frühe Variante des Reggae. Das kannten sie alles schon von den Punks her. Doch Skinheads schienen noch härter, noch provokanter zu sein, und darauf kam es schließlich an. Wenn die Onkelz sich zwischen zwei Wegen entscheiden mußten, wählten sie stets den extremeren. Vor allem Kevin. Er war nicht unbedingt der große Vordenker, brauchte immer jemanden, der ihm sagte, wo es lang ging, doch sobald sich die Truppe in Bewegung setzte, stürmte er hart voran - in welche Richtung auch immer

Natürlich gab es da neben der Band und der aufregenden neuen Skinhead-Geschichte, den Exzessen an den Wochenenden, auch noch den ganz normalen Alltag. Kevin, mal wieder arbeitslos, beginnt kurz vor seinem 19. Geburtstag auf Vorschlag seiner Oma in Hamburg eine Lehre als Schiffsmechaniker In seiner Freizeit besucht er so oft wie möglich das Volksparkstadion und knüpft dort Kontakte zu den ,,Hamburger Löwen", die damals als die härtesten Hooligans Deutschlands galten. ,,Fiese Raubtiere, durchweg tätowiert. Spinnennetz am Hals und Knastträne unterm Auge,

Gipsarm und Hakenkreuzanhänger, alle groß und breit und furchteinflößend, 60 Mann im Strudel von Arbeitslosigkeit, Alkoholismus und Kriminalität. Wikingerhafte Proleten, ohne Schulbildung und ohne Jobs, aber mit dicken aufgeschlagenen Fingerknöcheln und einem Aggressionspotential, das sogar Kevin beeindruckte Pep beendet seine Lehre als Schweißer und arbeitet zunächst bei einem Frankfurter Abflußreinigungsservice, ab Sommer ,82 in einer Schlosserei. Gonzo bewirbt sich erfolgreich bei der Marine und beginnt am 1.7.1982 seinen Militärdienst in Kappeln nahe der dänischen Grenze. Stephan arbeitet zunächst als Fahrer für eine Wäscherei, bekommt schließlich von einem Bekannten seines Bruders das Angebot, als Subunternehmer in eine Firma einzusteigen, die Büromaterial ausliefert. Am 11. Mai 1982 heiratet er seine Freundin Pia.

Da bleibt nicht viel Zeit für die Band, zumal Kevin und Gonzo kaum in Frankfurt sind. Dennoch treffen sie sich immer wieder zu Proben, produzieren neue Stücke, von denen sie zwei auf einem Berliner Punk-Sampler platzieren können, und drei Demo-Tapes, das dritte sogar in einem richtigen 8-Spur-Tonstudio, die sie großzügig an Freunde und Fans verteilen. Seit Anfang ,83 haben sie sogar einen eigenen Probenraum in einem Bunker in Offenbach-Bürgel. Gelegentlich treten sie live auf, so im Sommer ,83 vor 50 Skins im Probe-Bunker der Berliner 5km-Band Kraft durch Froide. Dort spielen sie zum letzten Mal in ihrer Band-Karriere ,,Türken raus" sowie zum ersten und einzigen Mal live ,,Deutschland den Deutschen".

 

Innerhalb ihrer Subkultur haben die Onkelz aus Frankfurt schon längst Kultstatus errungen, außerhalb ihrer engen Szene kennt sie zu dem Zeitpunkt allerdings noch niemand. Denn noch haben sie keine eigene Schallplatte Veröffentlicht. Doch noch im gleichen Jahr interessiert sich ein junger Sozialpädagogik Student aus Marburg für sie. Selbst eifriger Fußball-Fan, hatte der Student sich für seine Diplomarbeit das Thema ,,Fußballfanclubs und Rechtsradikalismus" ausgewählt. Auf der Suche nach Interviewpartnern aus der Skinhead-Szene hatte man ihn in der Eintracht-Stadion-Kneipe gleich an den ,,Chef" Stephan Weidner verwiesen:

man wurde sich einig, und so traf der Student schließlich am 16. Dezember1983 mit einem ,,etwas mulmigen Gefühl" und bewaffnet mit einem Cassettenrecorder in der,"EichwaldSchänke" ein, einer Bornheimer Arbeiterkneipe, in der es zwar kein Faßbier gab, dafür aber zur Flasche ein Tonkrug gereicht wurde.

Knapp zehn Leute, die meisten Skins, versammelten sich um den Interviewer, Gonzo und Pe waren nicht dabei (Gonzo, weil er zu dem Zeitpunkt nicht vor Ort war, Pe, weil er ohnehin nur selten zum Fußball ging), aber Kevin, der wie oft bei Kontakten mit Fremden den Studenten mißtrauisch beäugte und nur selten eine Bemerkung dazwischen warf, und Stephan, der wie immer gerne und viel redete und 90 % des Interviews alleine bestritt. Die Band wurde auch nur ganz am Rande erwähnt, im Mittelpunkt des knapp 90 Minuten aufgezeichneten Gesprächs und der Fragen des Studenten standen das Selbstverständnis der Jungen als Skinheads und Fußballfans. Trotzdem werde ich das Interview im Folgenden nur unwesentlich gekürzt (vor allem um Passagen, die sich um Eintracht Frankfurt drehen, sowie um Redebeiträge von Nicht-Onkelz) dokumentieren, weil es einerseits das erste umfassende Interview der Onkelz (bzw. von Stephan Weidner) ist und zum anderen sehr authentisch und differenziert über die Lebenseinstellung der Onkelz und ihres Umfeldes während ihrer Skinhead-Phase Auskunft gibt.

Vom Skin- zum Bonehead

Mittlerweile war auch in Deutschland eine zweite Skinhead,,Generation" nachgewachsen. Die Punk-Wurzeln bröckelten. Manche kamen direkt von der Schulbank zu den Skinheads, ohne den Umweg über Punk, Fußball, Rockabilly oder eine andern Subkultur Manche kamen aus der Neonazi-Szene hinzu, und viele, weil sie die Skinhead-Szene für eine Naonazi-Kultur hielten.

Zu behaupten, die Mehrheit der Skins jener Jahre seien ,,Neonazis" gewesen oder sogar in feste Partei- und ähnliche Organisationsstrukturen eingebunden gewesen, wäre eine Überschätzung der Neonazis. Deren Versammlungen schmückten nur wenige Kahlköpfe. Doch wirklich ,,linke" Jugendliche waren in der Skinhead-Szene - damals wie heute - rar gestreut. Dazu war das Image der Skins von Anfang an zu eindeutig festgelegt. Als linker Skinhead machte man sich wirklich ,,keine Freunde". Auch nicht unter Skins. Für die waren ,,Linke" zumeist langhaarige Studenten und Gymnasiasten, die schon den Punk unterwandert, kommerzialisiert und politisiert hatten. ,,Links" hieß Langeweile und politische Opposition. ,,Hechts" dagegen versprach grenzenlose Provokation (mit NS-Symbolen beispielsweise), Kameradschaft (was bedeutet dagegen schon ,,Solidarität") und ungezügelte Männlichkeit: Spaß pur, ohne schlechtes Gewissen und - ohne Politik. Ideologen waren in der 5km-Szene verpönt. Rechte wie linke. Und machen wir uns nichts vor: die Linken waren mehrheitlich immer ideologischer orientiert als die ,,unpolitischen" Rechten. Das hat sicherlich damit zu tun, daß Linke die Probleme dieser Welt bewußter wahrnehmen und weniger ignorieren wollen. Aber auch damit, daß linke Jugendszenen zumeist von Mittelschichtkids getragen werden, die ihre Konflikte vorzugsweise verbal austragen und generell mit ,,proletarischen" Kulturen und extrem körperorientierten (Massen-) Aktivitäten - ob Fußball, Prügeln oder Saufen - so ihre Schwierigkeiten haben. Linke sind anspruchsvoller, und damit oft auch gehemmter, nicht nur im Umgang miteinander. Linke wollen nicht nur sich selbst, sondern möglichst die ganze Welt verändern. Skins wollen sich

in erster Linie amüsieren. Das paßt nur selten zusammen.

Menschen, die sich selbst als ,,unpolitisch" bezeichnen, produzieren sehr häufig nur in besonders unkritischer Weise den vorherrschenden Zeitgeist. Nicht anders war (und ist) es bei vielen Skins. Bloß daß sie ,,Ausländer raus" grölten, wenn die neue Bundesregierung Kohl/Zimmermann ,,Rückkehrprämien" anbot. ,,Sie Dreckshure! Leider ist es zu spät, um dir die Gebärmutter herauszureißen, die Bastarde sind schon geboren!" - ,,Ein Hund mischt sich nicht mit einem Esel. Aber ihr dummen Sauweiber schlaft mit Wilden aus dem Busch und werft nicht mal reinrassige Ferkel. Abschaum ist das, Abschaum." - Nicht untypische nachbarschaftliche Briefe an mit Ausländern verheiratete Frauen aus dem Jahre 1982, die auf den Punkt brachten, was viele brave deutsche Bürger dachten: ,,Wir brauchen das schwarze und braune Gesindel nicht." Kein Wunder, daß auch viele Skins Rassisten und Nationalstolzler wurden. Das unterschied sie zunächst nicht von anderen Stammtischpolitikern und ihren (Leser-)Briefe schreibenden Vätern. Nur daß sie die Menschen auf der Straße verprügelten, die ihnen Politik und Medien als Sündenböcke schmackhaft machten. Und damit natürlich deutlich mehr Aufmerksamkeit auf sich zogen.

Zum Beispiel die von Neonazis. Vor allem Michael Kühnen streckte seine Fühler in Richtung Skinhead- und Hooligan-Szene aus. Im Dezember 1982 aus vierjähriger ,,Gesinnungshaft" entlassen, übernahm der wichtigste Neonazi-Führer der 80er Jahre sofort wieder die Leitung der Aktionsfront Nationaler Sozialisten. Sein Hauptziel: die Wiederzulassung der NSDAP ,,Wenn 10.000 Mann mit Hakenkreuzen auf die Straße gehen, dann wird es kein NS-Verbot mehr geben, und dafür werden wir sorgen", erklärte er am 30. April 1983.32 ,,Kameradschaften" mit insgesamt 270 Aktivisten hatte er zu dem Zeitpunkt schon, den Rest wollte er sich aus der 5km- und Fußballrabauken-Szene holen.

Anfangs schien die Rechnung aufzugehen. Der Haß- vor allem gegen Linke und ,,Ausländer" - machte die beiden harten Männer-Szenen zu Verbündeten. Gruppen wie die Dortmunder Borussenfront und die Hamburger Savage Army signalisierten den gelungenen Schulterschluß zwischen Subkulturen und Nazi-Parteien. Man traf sich regelmäßig in Fußballstadien und Kneipen, bei Konzerten von Skrewdriver, Kraft durch Froide oder den Böhsen Onkelz.

Die Frankfurter Skinheads erzählten dem Studenten Thomas Schneider auch von ihren Erfahrungen mit der Kühnen-Truppe ANS/NA, die am 15. Januar 1963, getarnt als Klassentreffen, im Hinterzimmer eines Frankfurter Restaurants (wieder)gegründet worden war. ,,So ,n paar von der ANS kamen zu uns in die Hauptwache da im Simmer und, naja, da hamse halt rumgelabert, das und das, wegen Ausländer und so und all so ,n Mist. Ich mein', ich halt' da absolut nichts von. Erstmal, wenn die Nazis dran kämen, die ersten, die ins KZ kämen, wären wir wohl und die Funks. Aber ich bin total dagegen. Die ham ihre Hintergedanken, die ham das alles schon in ihrem Hirn drin, wie se alles machen wollen, aber da hat keiner von uns mitgespielt, keiner. Ich mein', ich bin auch gegen Ausländer und so. Aber die ham schon ganz andere Hintergründe. Die sind alle ,n bißchen überschlau, ham so ,n Überblick verloren, find' ich." Die ,,Organisierten" kommen selbst nicht ,,von der Straße", sind nicht ,,authentisch", sondern eher ,Schwätzer", die körperlich ,,nichts drauf haben". Die Skins blieben mißtrauisch, trotz inhaltlicher Übereinstimmungen.

Nur ,,fünf oder sechs" der insgesamt sechzig Frankfurter Skins schätzte auch ein polizeilicher Lagebericht, wurden damals wirklich Mitglieder der ANS. Auch nach damaliger Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz waren Versuche, Skinheads für neonazistische Ziele zu gewinnen, bis auf wenige Ausnahmen gescheitert" (Der Spiegel Nr. 26/1986). Skins und Neonazis pflegten lediglich ,,Trinkgemeinschaften". So waren die Skinheads zumindest solange, bis dem Verfassungsschutz mit der Kapitulation des realsozialistischen Blocks 1989 die Gegner ausgingen, ,,keine gezielten Beobachtungsobjekte". ,,In Wirklichkeit waren es nicht so viele Skinheads, die Nazis wurden, sondern Nazis, die zu Skinheads wurden", erinnert sich George Marshall in seinem Szene-Almanach ,Spirit of 69. A Skinhead Bible". Doch anders als Linke wurden Neonazis, ob

kahlrasiert oder im modernen Schlips- und Scheitel-Outfit, zu einem akzeptierten Bestandteil des Szene-Alltags. Ihre Stimmungsmache gegen ,,Ausländer" und die Gewaltlust der eher diffus rechtsorientierten Skinheads vereinte sich in ,,spontanen" Aktionen. Nächtliche Überfälle auf Flüchtlingsunterkünfte und geplante Morde standen noch nicht auf der Tagesordnung. Doch die Lieder der Szene kündigten bereits eine weitere Radikalisierung An.

Skinhead heißt der Weg, den du erwählst. Er gibt dir die Kraft zu überstehen

heißt es in dem Lied ,,Dein Kampf" der Berliner Band Kraft durch Froide, die sich wie die Onkelz rasant weiterentwickelte, allerdings in die genau entgegengesetzte Richtung, und nun zusehends zum Shootingstar all jener Skins aufstieg, denen die Böhsen Onkelz längst zu ,,harmlos" geworden waren.

Du wirst kämpfen und wirst siegen

Du wirst diese Schweine killen, killen, killen...

 

Am 24. Juli1985 erschlagen zwei Skinheads und ein dritter Kumpel in Hamburg-Langenhorn nach einem Kneipenstreit den 29jährigen Mehmet Kaynakci mit einer Gehwegplatte. Nur fünf Monate später, am 21. Dezember 1985, wird in Hamburg-Wandsbek der 26jährige Ramazan Avci von einer Gruppe von Skinheads zu Tode getreten. Wochenlang sieht man nicht nur auf Hamburgs Straßen keinen Skinhead mehr. So mancher tauscht seine Bomberjacke und Stahlkappenschuhe gegen lceberg-Pullover und Ballances-Turnschuhe ein. Ältere Glatzen nutzen den Anlaß, um sich endgültig aus der ,,Jugendkultur" zu verabschieden.

Sie werden schnell durch Neuzugänge ersetzt, die durch die bluttriefenden Medienschlagzeilen über die neue ,,Nazi-Kultur" - ,,Häßlich, gewalttätig und brutal", Der Spiegel Nr. 26/86 - angezogen werden wie Motten vom Licht. Es war nicht schwer; in dieser Zeit Jungglatzen zu begegnen, die ernsthaft beleidigt reagierten, wenn du ihnen erklärtest, die Skinhead-Kultur sei nicht erst Ende der 70er Jahre von Skrewdriver erfunden worden, sondern schon zehn Jahre früher von weißen und schwarzen Arbeiterjugendlichen gemeinsam zum Sound von schwarzer Musik gezeugt worden. ,,Selbst vor Glatzenheiligen Sachen machen diese Kotzbrocken nicht halt", empörte sich ein langjähriger Straßenkämpfer der Fürth/Nürnberger Szene in seinem Fanzine Aasgeier Kurier (Nr.5). ,,Ich weiß noch genau, wie stolz ich auf mein für 35,- ergattertes erstes (einfarbig blaues) Perry war Ich hab mir echt den Arsch aufgerissen um ein Perry zu kriegen. Und heute geht der letzte Depparsch in den Laden und kauft sich das Ding einfach (natürlich zu überteuerten Preis). Jeder Modeaffe läuft in Londsdale/perry rum. Diese Leute habe keine Beziehung zu den Sachen die sie tragen." - ,,Was mir in der letzten Zeit sehr auffiel ist das kaum die Hälfte aller Skins noch Hosenträger tragen", empört sich auch ein Skinhead der Marke ,,Deutschland den Deutschen" aus Lüneburg in seinem Fanzine Kahlschlag (Nr. 2,1986) in dem für die rechte Szene typischen kreativen Umgang mit der deutschen Sprache. Ich frage warum sie keine Hosenträger tragen antworten fast alle das selbe: einige sagen es wäre unbequem und andere meinen man braucht sie eben nicht mehr. Ich bin der Meinung das Hosenträger nicht unbequem sind und Leute die meinen das Hosenträger unbequem sind, die sollten mal überlegen wir sind doch Skinheads und keine Hippies, denn die können sich anziehen was ihnen gerade passt. Und die Leute die sagen man braucht keine Hosenträger mehr sollten mal mehr an die Tradition von uns Skinheads denken und sie besser flegen. Wir sind ja keine Modebewegung wo jeder rumläuft wie er will. Und deshalb tragt alle wieder Hosenträger!!!"

,,Modeaffen" ohne Background und ,,Boneheads", wie die rechtsradikale Skinhead-Fraktion nun von ihren Gegnern genannt wurde, bestimmten mehr und mehr das Bild der Skinhead-Kultur sowohl in den Medien als auch auf Konzerten und der Straße. Nicht nur die Böhsen Onkelz gingen auf Distanz.

Der Ausstieg

Als 1987 die LP "Onkelz wie wir" erscheint, das erste richtige Album seit zwei Jahren und zugleich das erst seit der Trennung von Rock-O-Rama-Records, sind die Onkelz noch immer die ,unbestreitbar populärste und beliebteste deutsche Randalistenband' (Skin-Fanzine Singen und Tanzen), Kultstars einer Szene, mit der sie selbst immer weniger zu tun haben wollen. ,,Der Skinhead-Bewegung auf Wiedersehen zu sagen ist uns nicht leicht gefallen, hatte jedoch eine ganze Menge Gründe. Erstens gab und gibt es Vorfälle, mit denen wir uns nicht identifizieren können. Das gleiche gilt auch für viele neue Skins, die keine Ahnung haben, worum es uns in der Bewegung ging. Zweitens sind wir für die Öffentlichkeit keine Unbekannten mehr. Die Schwierigkeiten häuften sich, wir hatten sehr viel Ärger mit der Polizei etc.. Die erste LP wurde verboten usw.. Wir hatten keine Lust mehr, uns in eine Ecke drängen zu lassen, aus der wir nicht mehr herauskommen. Wir wollten unseren Spaß haben und das war zum Schluß nicht mehr möglich. Skins sind uns jedoch keinesfalls gleichgültig geworden, im Gegenteil: Unser Herz schlägt noch immer für die Bewegung. Allerdings nicht mehr so kompromißlos, wie das früher der Fall war. Es ist bei uns nicht so wie bei vielen anderen Ex-Skins, bei denen die Ansichten mit den Haaren wachsen. Wir sind dieselben, die wir immer waren. Unser Freundeskreis ist immer noch weitgehend der selbe wie früher und setzt sich aus den Leuten zusammen, mit denen wir schon seit Jahren verkehren. Auch wenn einige von ihnen keine Glatzenträger mehr sind. Für die Zukunft der Skinbewegung sehe ich einigermaßen schwarz. Zu viele Leute, die früher die Bewegung geprägt haben, sind verschwunden, zu viele Leute, die diesen Ruf nicht halten können, sind dazugekommen", erklärt Stephan Weidner Ende 19B6 im Skinhead-Fanzine Singen und Tanzen des Duisburger Musikerkollegen Collaps Strauch (Beck's Pistots, Lokalmatadore). ,,Was heute noch als Skinhead auftritt, hat meistens nichts mehr mit dem zu tun, was ursprünglich mal Skin-Movement war. Übriggeblieben sind oft nur die, die tatsächlich rechtsradikal eingestellt sind. Die anderen, die von Anfang an dabei waren und die Bewegung mit aufgebaut haben, die haben sich inzwischen weitgehend abgesetzt und distanziert, weil sie damit nichts zu tun haben wollten. Das gilt auch für uns. Nicht umsonst haben wir uns die Haare lang wachsen lassen. Wir wollen auch äußerlich dokumentieren, daß die heutige Skinszene nicht unsere Szene ist", klagen sie auch ein Jahr später im Metall Hammer - einem Langhaarigen-Magazin, schon das sagte vielen Ex-Fans genug! ,,Die frühe Skinbewegung war eine Bewegung der Kids von der Straße und eine Bewegung die aus der Arbeiterklasse entstanden ist aus der Klasse also aus der auch wir stammen und in der wir verwurzelt sind Eine andere Sache allerdings ist daß für uns die Politik so wie sie uns von den herrschenden gesellschaftlichen Gruppen und Parteien jeden Tag vorgespielt wird, absolut unglaubwürdig geworden ist. Politik ist ein pures Gerangel um Macht und Geld, der Mensch und seine Bedürfnisse gelten nichts. Die einzige Partei, die zur Zeit noch einen Hauch von Glaubwürdigkeit besitzt, sind die Grünen. Sie könnten eine echte Alternative bieten (Metall Hammer Nr.1/1988) Auf dem Album selbst geben sie mit der Ballade "Erinnerungen"- bis heute eines der populärsten Onkelz-Lieder- quasi offiziell ihren Ausstieg bekannt.


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